Erst entdecken, was Sie anspricht, dann nach Erklärungen suchen

Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York empfiehlt für das langsame Betrachten, sich Zeit zu nehmen und zu beschreiben, was Sie sehen. Die Beschriftung neben dem Werk kann zunächst warten. Das Museum schlägt auch vor, einzelne Gestaltungselemente wie Farbe, Form, Linie oder Oberflächenbeschaffenheit nacheinander anzusehen.[1]

Für den folgenden Versuch müssen Sie weder die Künstlerin oder den Künstler kennen noch etwas über Kunstgeschichte wissen. Was Ihnen ins Auge fällt, darf Ihr Ausgangspunkt sein.

Ein Bild auf drei Arten betrachten

Wählen Sie ein Bild, zum Beispiel in einem Buch oder online, und schauen Sie zunächst kurz auf das Ganze. Die Karte zeigt einen möglichen Weg von diesem ersten Eindruck über ein Detail zurück zum Gesamtbild.

Drei kleine Schritte mit einem Bild
  1. Das Ganze betrachten

    Merken Sie sich eine Stelle, die Ihre Aufmerksamkeit zuerst anzieht.

  2. Eine Farbe oder Linie wählen

    Suchen Sie die Farbe an einer anderen Stelle oder folgen Sie dem Verlauf der Linie.

  3. Zum Ganzen zurückkehren

    Beschreiben Sie einen Punkt, der Ihnen jetzt anders auffällt.

Es gibt keine Punktzahl und keine vorgeschriebene Dauer.

Fällt Ihnen etwa Blau auf, vergleichen Sie zwei Stellen: Ist der Farbton ähnlich oder verschieden? Wenn Sie danach wieder das ganze Bild betrachten, können Sie darauf achten, wie das Blau neben den anderen Farben wirkt.

Nach dem Lesen noch einmal zum Bild zurückkehren

Bevor Sie eine Beschriftung lesen oder mit jemandem über das Bild sprechen, beschreiben Sie Ihren Eindruck in eigenen Worten, etwa: „Die Linien wirken ruhig.“ Andere können dasselbe Bild anders empfinden.

Wenn Sie anschließend eine Erklärung gelesen haben, schauen Sie noch einmal auf die Stelle, die Ihnen zuerst aufgefallen ist: Fällt Ihnen dort jetzt ein weiteres Detail auf?